St. Mauritius Stift
Chronik

Vor 1950

Um 1910 stifteten die Eheleute Moritz Schulte-Crawinkel und Josefine geb. Wiegardt als Dank für Ihre Errettung (ausströmendes Oxydgas brachte sie nachts in Lebensgefahr) für die Gemeinde St. Meinolphus ein Schwesternhaus. Pfarrer Anton Schäfer von St. Marien, der Mutterpfarrei, kaufte für das Geld (150.000,00 DM) den Bauplatz an der Meinolphusstraße, und Architekt Hermann Wielers baute das Haus, das am letzten Sonntag des Kirchenjahres 1912 eingeweiht wurde. Die Leitung und Verwaltung des Hauses übernahmen Vinzentinerinnen aus dem Mutterhaus in Paderborn. Ein Kindergarten und eine Nähstube für schulentlassene Mädchen wurden dort eingerichtet. Außerdem wohnten 20 ledige Damen im Stift. Die kirchlichen Vereine der Gemeinde trafen sich dort zu ihren Versammlungen.

Seit Anfang 1917 verhandelte man mit dem Katholischen Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder über den Verkauf des Hauses, da die Finanzierung des Stiftes nicht mehr gesichert schien. Am 1. April 1917 zogen die Franziskanerinnen von der Heiligen Familie aus dem Mutterhaus in Mayen/Eifel mit ihren Fürsorgezöglingen in das Haus ein. Nach Fertigstellung des Jugendheimes der St.Meinolphus-Mauritius-Gemeinde - 1921/22 - zogen der Kindergarten und die Nähschule aus dem Stift aus.

In den letzten Jahren von Pfarrer Gottfried Meier (gestorben 1939) kaufte nach langem Rechtsstreit (Herr Schulte-Crawinkel bestand darauf, das Heim ursprünglich als Schwestern und Gemeindehaus gestiftet zu haben) die Gemeinde das Stift vom Fürsorgeverein zurück und richtete es als Altenheim ein.

Seit dem 1. April 1917 waren die Ordensschwestern in unserer Gemeinde, und es ist kaum aufzuzählen, wie sie durch vielfältige Dienste (neben Betreuung der Altenheim- Bewohnerinnen und Bewohner waren Ordensschwestern aus dem Stift Gemeindeschwestern, Kindergartenleiterinnen usw.) der Gemeinde gedient haben. Sie haben das wechselvolle Schicksal des Hauses mit erlebt.

Am 4. November 1944 wurde das Stift durch zwei Volltreffer während der Bombardierung Bochums zerstört und brannte aus. Die Schwestern fanden erst im Johannes-Stift, Wiemelhausen, dann in Stiepel Unterkunft.

Gegen Ende des Krieges wurden das Pfarrbüro und die Wohnung des Pfarrers notdürftig in den Trümmern des Stiftes errichtet.

 

1950 bis Heute

Den folgenden Wiederaufbau des Mitteltraktes leitete Architekt Bergmann. Im Krieg zerstört, wurde zuerst der Mitteltrakt in den ursprünglichen hohen Geschosshöhen wiederaufgebaut.
Anfang der 50iger Jahre folgte der Neubau der beiden Seitenflügel, jedoch mit verringerter Geschosshöhe. Am 1. November 1952 fand die Einweihung des Stiftes statt. 60 alte Leute konnten in diesem neuen Altenheim unterkommen. 1954 und 1957 wurden durch Architekt Keul die beiden Seitenflügel erstellt.

Die neu festgelegte Satzung des St.-Mauritius-Stiftes e. V. sagt (beschlossen am 3. Januar 1952):
Das St.-Mauritius-Stift soll gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken und den in diesem Rahmen liegenden Aufgaben dienen. Diese Zwecke und Aufgaben werden erfüllt durch Unterhaltung von Kindergärten, einer Station für ambulante Krankenpflege, einer Volksküche, eines Altersheimes und eines Heimes für Berufstätige. Auch stellt das Mauritius-Stift der katholischen Pfarrgemeinde St. Meinolphus Räume für Zwecke der religiösen Unterweisung und kirchlichen Verwaltung nach Bedarf und Möglichkeit zur Verfügung“

Nach Änderung der gesetzlichen Bestimmungen und des wirklichen Bedarfs wurde am 23. Juni 1977 folgende Satzungsänderung vom Kuratorium des Stiftes beschlossen:
Das St.-Mauritius-Stift soll als Altenheim gemeinnützigen Zwecken dienen. Es steht in besonderer Weise alternden Menschen offen, die hier ihren Lebensabend verbringen wollen.“

Nach mehr als zweijährigen Vorbereitungsarbeiten beschloss das Kuratorium am 15. Januar 1979, das St. Mauritius-Stift umzubauen und zu modernisieren.
Der Architekt Dipl. -Ing. W. H. Wenzel leitete die Maßnahme.
Die Bauarbeiten mussten aus Mangel an Ausweichmöglichkeiten während des laufenden Betriebes des Altenheimes durchgeführt werden. Mitte 1980 konnten erste Umbaumaßnahmen begonnen werden. Im folgenden Jahr wurde das neue Treppenhaus fertiggestellt, sämtliche Fenster wurden durch neue Isolierglasfenster aus Kunststoff ersetzt. Das gesamte sanitäre Versorgungsnetz erhielt Kupferrohre und Außenwände wurden mit
Wärmeschutzplatten verkleidet. Nach Fertigstellung des Treppenhauses entstanden im neu errichteten Mitteltrakt zur Hattinger Straße hin, 15 moderne Appartements.
Richtfest wurde am 2. Juli 1982 gefeiert, die Einweihungsfeier fand jedoch aufgrund weiterer intensiver Arbeiten erst im September 1983 statt. Bereits im Frühjahr konnten die neuen Appartements bezogen werden. Gleichzeitig wurde der größte Teil der Zweibettzimmer auf Einzelbelegung umgestellt. Die Zahl der Betten sank deshalb von ursprünglich 80 auf 60 ab.

Nachdem Ende 1996 die letzten Ordensschwestern das Haus verlassen hatten, übernahm Frau Martina Ohlendorf im Januar 1997 die Leitung des Stifts. Mit dem Umbau der ehemaligen Klausuren der Ordensschwestern im 3. Obergeschoss, zu Bewohnerzimmern, konnte die Zahl der Heimplätze von 60 auf 69 wieder erhöht werden. Gleichzeitig wurden weitere Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen. Es wurden Sanitärräume nach neuestem Standard eingerichtet. Die neue Stationsküche und das neue Dienstzimmer des Pflegepersonals wurden vom 4. in das 3. Stockwerk verlegt.

Trotz alledem genügte die Einrichtung an der Meinolphusstraße nicht mehr den aktuellen Standards. Für das St. Mauritius-Stift wurde ein modernes Gebäude am Knüwerweg errichtet. Im Januar 2008 zogen alle Bewohner und Bewohnerinnen dorthin um.